... nach Weißrussland für Dzmitry Ryshkevich - Mittwoch 21. August 2019



 HERBSTTAGE

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,

und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;

gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.

Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

 Rainer Maria RILKE, Paris 1902 


... Venedig war eine Reise wert!


Bernd Remsing im Elektro Spitzer, Odeon Wien II.  - Marathonlesung 

… "Die Muskelleistung eines Bürgers, der ruhig einen Tag lang seines Weges geht, ist bedeutend größer als die eines Athleten, der einmal im Tag ein ungeheures Gewicht stemmt; das ist physiologisch nachgewiesen worden, und also setzen wohl auch die kleinen Alltagsleistungen in ihrer gesellschaftlichen Summe und durch ihre Eignung für diese Summierung viel mehr Energie in die Welt als die heroischen Taten; ja die heroische Leistung erscheint geradezu winzig, wie ein Sandkorn, das mit ungeheurer Illusion auf einen Berg gelegt wird. Dieser Gedanke gefiel ihm.

Aber es muß hinzugefügt werden, daß er ihm nicht etwa deshalb gefiel, weil er das bürgerliche Leben liebte; im Gegenteil, es beliebte ihm bloß, seinen Neigungen, die einstmals anders gewesen waren, Schwierigkeiten zu bereiten. Vielleicht ist es gerade der Spießbürger, der den Beginn eines ungeheuren neuen, kollektiven, ameisenhaften Heldentums vorausahnt? Man wird es rationalisiertes Heldentum nennen und sehr schön finden. Wer kann das heute schon wissen? Solcher unbeantworteter Fragen von größter Wichtigkeit gab es aber damals hunderte. Sie lagen in der Luft, sie brannten unter den Füßen. Die Zeit bewegte sich. Leute, die damals noch nicht gelebt haben, werden es nicht glauben wollen, aber schon damals bewegte sich die Zeit so schnell wie ein Reitkamel; und nicht erst heute. Man wußte bloß nicht, wohin. Man konnte auch nicht recht unterscheiden, was oben und unten war, was vor und zurück ging. »Man kann tun, was man will;« sagte sich der Mann ohne Eigenschaften achzelzuckend »es kommt in diesem Gefilz von Kräften nicht im geringsten darauf an!« Er wandte sich ab wie ein Mensch, der verzichten gelernt hat, ja fast wie ein kranker Mensch, der jede starke Berührung scheut, und als er, sein angrenzendes Ankleidezimmer durchschreitend, an einem Boxball, der dort hing, vorbeikam, gab er diesem einen so schnellen und heftigen Schlag, wie es in Stimmungen der Ergebenheit oder Zuständen der Schwäche nicht gerade üblich ist." ...

aus "der Mann ohne Eigenschaften" Buch 1, Robert Musil

 

 


Station Rose, Roter Salon im Volkstheater Wien, 22. März 2019 - http://www.stationrose.com/ 


PV 5,79kWp seit 13. Februar 2019  in Betrieb - Aktuelle Leistung


ZAUN                                                                                                  im Schnee bei Kleinzell, Mühlviertel, Jänner 2019 


Kurt Bayer,  Palazzo Scherer-Malfatti - ALA im Trentino, Juni 2018

... im Angesicht ...


"Die Interpretation des Gesehenen ist jedem Betrachter überlassen
– der authentische Blick wurde aber vom Fotografen gesetzt
auch wenn Manche meinen, hier gibt die Kunst einfach nur Gesehenes wieder, für das Datum, Ort und Uhrzeit genügt.
Dass es mehr als das ist, weiß jeder, der einer Fotografie beim Betrachten mehr als einen Augenblick schenkt.

Die Fotografie einer Landschaft – z.B. - bedarf keiner Erklärung,

sie stimmt jeden in seiner momentanen - eigenen Farbe."

Kurt Bayer - Gedanken zur Fotografie, 2006


Es gibt Dinge, die man fünfzig Jahre weiß, und im einundfünfzigsten erstaunt man über die Schwere und Furchtbarkeit ihres Inhaltes.
Adalbert STIFTER, DIe Sonnenfinsternis


 Hallstatt, April 2017 - der Frühling kommt als ob der Herbst noch wär.


Der Stillstand eines Bildes bringt Gedanken in Bewegung"

Waxenberg, Jänner 2017


donaulände winter

...

Der Schnee nimmt ja allen Lärm warm in einen Arm, - er bildet an sich ein Haus, worin es still hergeht.

...

 

Diese Schneelandschaft wünsche ich mir hübsch, Robert Walser


Friedhof Ottensheim im Oktober 2016


Creative Commons Lizenzvertrag     Bilder von Kurt Bayer stehen unter einer Creative Commons Namensnennung 3.0 Unported Lizenz.

... fotografiert im Vinschgau an der Friedhofsmauer von Schluderns, September 2016


Woifal Haas,  + 16.4.2016

Abend

Hauche über den Frost meines Herzens

Und wenn du es zwitschern hörst,

Fürchte dich nicht vor seinem schwarzen Lenz.

 

 Immer dachte das kalte Wundergespenst an mich

Und säete unter meinen Füßen - Schierling.

 

Nun prägt in Sternen auf meine Leibessäule

Ein weinender Engel die Inschrift.

  Else Lasker-Schüler


Frühstücks-Frühlingssonne, Villa Seilern - Bad Isch März 2016


Ottensheim um 1890

... als die Hopfenstangen noch an der Donaulände standen und in der Brauerei Sigl Ottensheimer Bier gebraut wurde,...


Realpolitisches Panorama

"Spektrum", Die Presse - Samstag, 22. Oktober 2016 - Realpolitisches Panorama"


"Wege entstehen dadurch, daß wir sie gehen."

Franz Kafka


und noch ein ZItat, .. wie Licht und Schatten...

 

"Gegner bedürfen einander oft mehr als Freunde, denn ohne Wind gehen keine Mühlen."


Hermann Hesse